GLOBAL ORGANIC TEXTILE STANDARD (GOTS) - Andrea Rechtsteiner
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GLOBAL ORGANIC TEXTILE STANDARD (GOTS)

GLOBAL ORGANIC TEXTILE STANDARD (GOTS)

Der GLOBAL ORGANIC TEXTILE STANDARD (GOTS)

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) – www.global-standard.org – nimmt für sich in Anspruch, umfassende Richtlinien für eine ökologische und sozial verantwortliche Textilproduktion abzubilden. Das Textilsiegel GOTS wurde von international führenden Standardorganisationen entwickelt. Etwa dem Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft – IVN (Deutschland), der Soil Association (England), der Organic Trade Association (USA) und der Japan Organic Cotton Association.

Es wurden weltweit anerkannte Richtlinien geschaffen, die eine nachhaltige Herstellung von Textilien gewährleisten. Angefangen von der Gewinnung der biologisch erzeugten Rohstoffe über eine umwelt- und sozialverantwortliche Fertigung bis hin zur transparenten Kennzeichnung. Damit soll dem Verbraucher eine glaubwürdige Qualitätssicherheit geboten werden. Seit seiner Einführung 2006 demonstriert das Siegel seine praktische Anwendbarkeit. Getragen durch den steigenden Verbrauch von Biofasern und der nachdrücklichen Forderung nach einheitlichen Verarbeitungskriterien dafür seitens Industrie und Handel hat GOTS schnell eine weltweite Bekanntheit erlangt. Der Standard ermöglicht es der verarbeitenden Industrie, ihre Textilien aus Biofasern auf Basis einer Zertifizierung anzubieten, die in allen wichtigen Handelsmärkten anerkannt ist.

Seit der Einführung des GOTS-Logos und des GOTS-Lizensierungssystems findet sich der GOTS nicht nur in den Regalen der Naturtextilläden, sondern auch bei großen Händlern und Marken. Dies steigert den Bekanntheitsgrad bei den Verbrauchern und spiegelt die Anerkennung des GOTS-Qualitätssicherungssystems in der gesamten Branche wider.

Ökologische Kriterien

GOTS-zertifizierte Produkte müssen mindestens zu 90 % aus Naturfasern bestehen. Mindestens 70 % müssen aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft (kbA/kbT) stammen. Für die Siegelvariante „kbA/kbT“ (bio) oder „kbA/kbT – in Umstellung“ müssen mindestens 95 % der Fasern aus kbA/kbT stammen bzw. in Umstellung sein. Die Produkte müssen so gelagert und transportiert werden, dass eine Verunreinigung durch konventionelle Produkte und unzulässige Substanzen oder ein Vertauschen verhindert wird. Genmanipuliertes Saatgut ist verboten. Die Produktion muss Ressourcen schonend sein. Die Verpackung darf kein PVC enthalten. Ein Konzept zum betrieblichen Umweltmanagement ist verpflichtend.

Es ist nach einer Liste mit zugelassenen Farben und Hilfsmitteln zu verfahren, deren toxikologische und ökologische Wirkungen geprüft sind und die als unbedenklich eingeschätzt werden. Gebleicht wird in Ausnahmefällen mit Sauerstoff (chlorfrei). Die Veredelung von Baumwollgarnen mit Natronlauge zur Erhöhung des Glanzes ist erlaubt. In jeder Produktionsstufe wird die Einhaltung der Kriterien vor Ort von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft. Ergänzend nimmt ein Umweltlabor stichprobenartig Rückstandskontrollen der Textilien vor.

Soziale Kriterien

Soziale Kriterien werden kaum berücksichtigt. Sie gelten lediglich in der Verarbeitung, aber nicht in der Rohstoffproduktion. Zu den ILO-Kernarbeitsnormen und vor allem zu existenzsichernden Löhnen trifft GOTS keine eindeutige und verpflichtende Aussage. Es gibt keine Forderung nach verpflichtenden Aus- und Weiterbildungsangeboten für das Management und die Arbeiter, sondern nur entsprechende Empfehlungen.

Kritisiert wird, dass keine externe Verifizierung durch Multistakeholder-Initiativen (MSI) unter Einbeziehung lokaler Akteure stattfindet.

Transparenz

Die sozialen und ökologischen Kriterien sowie deren jeweilige Überprüfungsverfahren werden veröffentlicht. Ergebnisse der Fabrikaudits sowie Namen der Zulieferer werden in einer Datenbank veröffentlicht. Sämtliche Transportmittel und -wege werden dokumentiert. Und: An den Kleidungsstücken ist ein Label angebracht.

Fazit

GOTS weist einen hohen ökologischen Standard auf. Vielfach wird angemahnt, dass für die glaubhafte Überprüfung der Einhaltung sozialer Kriterien wäre die stärkere Einbindung von lokalen Akteuren, Gewerkschaften und NROs erforderlich wäre.

Andrea Rechtsteiner
a.rechtsteiner@andrea-rechtsteiner.de