Ramiefaser auch für Bekleidung - Andrea Rechtsteiner
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Ramiefaser auch für Bekleidung

Ramie by Anthyia

Ramiefaser auch für Bekleidung

Chinagras findet neuerdings nicht nur in der Medizin – sondern als Ramiefaser auch Verwendung für Bekleidung

Die Ramiefaser wird aus dem Bastteil des Stängels der Pflanze Ramie (Boehmeria nivea) gewonnen. Die Naturfaser gehört zur Gruppe der Bartfasern (Nesseln). Chinagras war bislang eher als Energielieferant oder für medizinische Zwecke bekannt.

Aktuell sind Bestrebungen zu beobachten, die Vermarktung der Ramiefaser für textile Produkte neu zu beleben.

Was die Ramiefaser kann

Die Ramiefaser gilt als äußerst hochwertig. Sie konnte sich allerdings aufgrund ihrer recht aufwändigen Verarbeitung, die nach wie vor nicht vollständig automatisierbar ist, auf dem Textilmarkt bisher preislich nicht mit anderen Naturfasern wie Baumwolle, Wolle oder Leinenkonkurrieren. Mitte des 19. Jahrhunderts erlangte die Ramiefaser im Zuge der sich in Europa entwickelnden Fasernessel-Industrie eine gewisse Bedeutung, wurde dann aber schnell von der Baumwolle und von synthetischen Fasern verdrängt.

Die Ramiefaser ist hygroskop und sehr nassfest. Um zu einer weißen Faser zu gelangen, muss die degummierte Faser nochmals gebleicht werden.

Ramiefasern werden nass versponnen und zeichnen sich durch eine mit 393 bis 1050 MPa sehr hohe Zugfähigkeit aus. Dichte und Absorptionsfähigkeit der groben Faser (25 bis 30 Mikrometer) ähneln der von Leinen.

Ramie by Anthyia

Ramie by Anthyia

Besondere Eigenschaften

Die Fasern machen bis zu 15 % der Pflanze aus und sind 40 bis 350 Millimeter lang und 40 bis 50 Mikrometerstark. Faserbündel können eine Länge von bis zu zwei Metern erreichen. Ramiefasern gehören damit zu den längsten und festesten pflanzlichen Fasern überhaupt.

Die Ramiefaser hat einen Kristallinitätsgrad von 44 bis 47%, Cellulose liegt in Naturfasern teilweise in geordneter, „kristalliner“, Struktur vor und teilweise in „ungeordneter“ Struktur. Das Verhältnis zwischen kristalliner und nichtkristalliner Cellulose, der Kristallinitätsgrad, hat großen Einfluss auf die Eigenschaften der Faser, z. B. führt ein höherer Kristallinitätsgrad zu einer geringeren Feuchtigkeitsaufnahme der Fasern.

Die Faser ist besonders weiß, vergleichbar mit gebleichter Baumwolle, und hat einen seidenartigen Glanz, der den von Leinen übertrifft. Mit Baumwolle und Leinen hat die Ramiefaser jedoch auch die geringe Elastizität und Knitteranfälligkeit gemein.

Als reine Faser ergibt Ramie leichte, seidige Gewebe, die Leinen ähneln. Haupteinsatzgebiet ist der Gebrauch als Textilfaser.

Ramie by Anthyia

Ramie by Anthyia

Herstellung von Ramiefasern

Für die Aufbereitung von Ramie werden zunächst die Rindenteile, in denen sich die Fasern befinden, von den Holzbestandteilen getrennt (Entrinden oder Dekortieren). Die entrindeten Baststreifen werden getrocknet und werden teilweise als „Chinagras“ vermarktet. Diese enthalten noch einen recht hohen Anteil von 30 bis 35 % an Pektin, und Gummi-ähnlichem Belag und parenchymatischem Gewebe. Dieses ist größtenteils wasserunlöslich und muss entfernt werden, bevor die Faser zu feinem Garn versponnen werden kann. Dieser gummiähnliche Belag besteht hauptsächlich aus Xylanen und Arabanen, die zu den Hemicellulosen gehören.

Das Entfernen dieses Belages, die Degummierung, kann daher nicht über eine bakterielle Rösteerfolgen, sondern erfordert ein Auskochen in einer Lauge. Die so gewonnenen Fasern bestehen aus fast reiner Cellulose, sind gleichmäßig, glänzend, glatt, stark hygroskop und sehr nassfest. Um zu einer weißen Faser zu gelangen, muss die degummierte Faser nochmals gebleicht werden.

Ausblick

Obwohl die Ramiefaser als äußerst hochwertig gilt, kann sie – wie ausgeführt – aufgrund ihrer relativ aufwändigen Verarbeitung, die nach wie vor nicht vollständig automatisierbar ist, auf dem Textilmarkt bislang preislich mit anderen Naturfasern wie Baumwolle, Wolle oder Leinen nicht mithalten. Unternehmen, wie die chinesische Anthyia versuchen derzeit, mit einem nicht unerheblichen Marketingaufwand, die Faser in unterschiedlichen textilen Produkten einzusetzen und am Markt zu platzieren.

Kontakt für weitere Informationen

www.anthyia.com / Ying.Luo@anthyia.com / Martin-Luther-King-Str. 23 / 53175 Bonn / Germany

 

 

Andrea Rechtsteiner
a.rechtsteiner@andrea-rechtsteiner.de